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Vegane Kleidung – Worauf muss ich achten?

Sofia von Schledorn, Online-Redakteurin
3. Juni 2020

Vegane Kleidung passt perfekt zu einem nachhaltigen Lebensstil. Doch bedeutet vegan auch gleichzeitig nachhaltig?

Vegane Kleidung ist für Veganer unersetzlich
Veganismus bedeutet auch Kleidung zu tragen, die nicht von Tieren stammt. Bild: iStock

Wann ist Kleidung eigentlich vegan?

VeganerInnen verzichten nicht nur auf Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Honig, sondern auch auf tierische Mode und Kosmetik. Veganismus hört nicht bei der Ernährung auf, sondern kann sich durch alle Lebensbereiche ziehen, denn wer auf tierfreie Ernährung achtet, der möchte auch an seinem Körper keine Kleidung tragen, die von Tieren stammt.

Immer mehr Labels setzen auf vegane Materialien. Doch welche Materialien sind tierischen Ursprungs und welche veganen Alternativen gibt es? Wir zeigen dir, warum du bei deiner nächsten Neuanschaffung genauer hinsehen solltest.

Diese Materialien sind nicht vegan

Welche Materialien und Stoffe tierischen Ursprungs sind und welche veganen Alterativen es gibt, erfährst du hier:

Leder

In unseren Köpfen ist Leder immer noch mit Qualität gleichgesetzt. Dabei ist die Ledergewinnung alles andere als tierfreundlich. Der Großteil verarbeiteter Tierhäute stammt von Kühen, Büffeln und Kälbern. Exoten wie Alligatoren, Krokodile und Schlangen werden ausschließlich wegen ihrer schönen Haut gezüchtet oder gejagt.

Kunstleder galt dabei in den letzten Jahrzehnten als günstige und qualitativ schlechtere Alternative – das stimmt mittlerweile nicht mehr. Immer mehr Brands produzieren qualitativ hochwertige Kleidung und Accessoires aus innovativen und veganen Alternativen. So werden Schuhe, Handtaschen, Gürtel, Lederjacken, Portemonnaies und Handschuhe aus Ananasleder, Apfelleder, Kork, Teakblättern oder synthetischem Kunstleder hergestellt. 

Pelz

Pelz ist des Öfteren an den Kapuzen von Winterjacken, an Westen, Mützen, Handschuhen oder in Form kleiner Fellbälle an Schlüsselanhängern wiederzufinden. Kleidung und Accessoires aus Echtpelz stammen irrtümlicher weise nicht von Resten geschlachteter Tiere – im Gegenteil. Viele Tierarten werden nur für diesen Zweck unter widrigen Haltungsbedingungen in Pelztierfarmen gezüchtet und anschließend getötet.

Ein hoher Preis ist leider kein Indiz mehr für echtes Fell, im Gegenteil, echter Pelz wird bereits für erschreckend wenig Geld verkauft. Doch wie unterscheidet sich Kunstfell von echtem Fell? Echtes Fell, fühlt sich im Gegensatz zu Kunstfell weicher an, hat ein dichtes und flaumiges Unterfell und die feinen Haare bewegen sich schon beim kleinsten Windstoß. Kunstfell hingegen fühlt sich etwas härter an und ist oftmals gleich lang geschnitten und starrer. Pustet man auf das Fell, biegt sich der Echtpelz nach außen, während sich das Kunstfell kaum bewegt.  

Kunstpelz ist zwar um einiges humaner, jedoch nicht gerade umweltfreundlich. Das künstliche Fell besteht oft aus synthetischen Fasern wie Polyester oder Acryl. Diese sind nicht biologisch abbaubar und werden in der Produktion mit giftigen Chemikalien bearbeitet. Durch die Haltung und Ernährung der Tiere und die Produktion des Tierpelzes werden jedoch weitaus mehr Ressourcen verbraucht, als bei der Herstellung von Kunstpelz. Aus ökologischer und ethischer Sicht schneidet also Kunstpelz besser ab, als Echtpelz.

Seide

Viele Blusen, Hemden, Krawatten, Anzüge, Accessoires und Teppiche sind aus Seide. Seide wird ähnlich wie Echtleder mit hochwertiger Ware gleichgesetzt, jedoch gibt es auch hier einen Haken: Für die Gewinnung von Seide werden Kokons der Seidenspinner (gehören zur Familie der Schmetterlinge) inklusive der kleinen Raupen bei lebendigem Leib ausgekocht. Nachdem die Seidenspinner getötet wurden, werden sie entfernt und die Seidenfäden werden maschinell weiterverarbeitet.

Wer diese Praxis nicht unterstützen möchte, setzt auf vegane Fasern, wie Polyester und Nylon. Diese synthetischen Fasern sind zwar günstige Alternativen, aber in Sachen Nachhaltigkeit nicht die beste Wahl. Sie verbrauchen in der Produktion viel Energie, sind nicht biologisch abbaubar, werden mit giftigen Chemikalien bearbeitet und bei jedem Waschgang geht Mikroplastik verloren.

Lyocellfasern wie Tencel oder Soja Seide sind dagegen nicht nur vegan, sondern auch nachhaltig. Soja Seide, auch veganes Kaschmir genannt, wird beispielsweise aus den Abfallprodukten der Sojabohnen-Industrie hergestellt.

Wolle

Alle Arten von Wolle, wie beispielsweise Kaschmir, Angora, Mohair, Alpaka, Lama, Kamelhaar oder Kaninchen sind nicht vegan und sollten daher bei einem veganen Lebensstil vermieden werden. Denn der Schurprozess löst bei den Tieren Stress aus und durch die Versuche sich zu wehren werden die Tiere nicht nur verletzt, sondern auch auf grausame Weise festgeschnallt, Arme und Beine verdreht und an den Gliedmaßen gefesselt.

Doch auch bei Wolle gibt es synthetische und nachhaltige Alternativen. Synthetische Fasern wie Acryl und Fleece sind im Gegensatz zu Baumwolle, Hanf, Tencel, Leinen und Modal weniger ökologisch.

Abbild Leder
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Abbild Seide
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Schon darüber nachgedacht? Diese Materialien sind ebenfalls nicht vegan  

Es gibt auch ein paar versteckte Materialien tierischen Ursprungs: Deine Winterjacke zum Beispiel hat nicht nur einen Kragen aus Pelz, sondern ist oftmals auch mit Daunen gefüttert, um dich warmzuhalten. Daunen sind das Gefieder von Enten und Gänsen. Diese werden nicht nur nach dem Schlachten gerupft, sondern ihnen wird bei lebedingen Leibe die Feder aus dem Körper gerissen. Vegane Alternativen zu Daunen sind beispielsweise Kapok, Baumwolle, Bambus, Hanf oder Tencel (Lyocell).

Um deine Regenjacke wasserabweisend zu machen, wird oft Bienenwachs verwendet – ebenfalls nicht vegan. Und hast du dir die Knöpfe an deinem Cardigan schon einmal genauer angeschaut? Knöpfe können aus Horn oder Perlmutt bestehen – Horn stammt häufig von Büffeln oder Hirschen und Perlmutt aus Muschel- oder Schneckenschalen. Der Kleber für Schuhe, Handtaschen oder Sakkos kann Knochenreste enthalten und die kleinen Patches an deiner Jeans sind oftmals aus Echtleder.

Wer nach veganer Kleidung sucht, sucht auch meist nach fair und ökologisch

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Vegan bedeutet nicht gleichzeitig ökologisch und fair. Auch wenn in deinem Kleiderschrank 90 Prozent der Teile aus synthetischen Stoffen wie Polyester bestehen, bedeutet das keine gute Ökobilanz – im Gegenteil. Polyester beispielsweise basiert auf Erdöl und Erdöl ist kein erneuerbarer Rohstoff. Laut Greenpeace ist Polyester die meist genutzte Kunstfaser und hat inzwischen einen Anteil von über 60 Prozent der in Textilien eingesetzten Fasern.

Deshalb sind die Kriterien „Nachhaltigkeit“ und „faire Produktion und Arbeitsbedingungen“ ebenso wichtig, wie das Kriterium „vegan“. Wenn dir Tierwohl und die Umwelt am Herzen liegen, solltest du auf die Materialien achten und dir den Produktionsprozess bewusst machen. Denn faire Arbeitsbedingungen, eine angemessene Bezahlung und sichere Arbeitsbedingungen sind leider nicht immer gegeben.

Diese Shops verkaufen Fair Fashion  

Immer mehr Mode-Labels produzieren Fair Fashion im eigenen Land oder nutzen tierfreie Alternativen als Materialien. Das bedeutet nicht, dass du deinen Kleiderschrank direkt aussortieren musst, vielmehr könntest du bei deinem nächsten Einkauf einfach auf Brand, Herstellung und Materialien achten. So kannst du deinen Kleiderschrank Schritt für Schritt nachhaltiger gestalten.

Wir haben vier Brands herausgesucht, die mindestens eines der drei Kriterien „nachhaltig“, „fair“ oder „vegan“ erfüllen. Viel Spaß beim Stöbern!

1. JAN ’N JUN

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Das Label aus Hamburg produziert nachhaltig und arbeitet mit veganen und dazu zertifizierten Materialien. Durch einen QR Code an jedem Kleidungsstück kannst du sogar die Produktion des Kleidungsstücks nachvollziehen. Chapeau für so viel Transparenz!

2. Erlich Textil

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Erlich Textil bringt nachhaltig produzierte Unterwäsche, Nachtwäsche, Socken, Bademode und Heimtextilien auf den Markt. Fairness, Nachhaltigkeit und ein positives Arbeitsumfeld sind dem Kölner Label dabei besonders wichtig. Die Brand produziert in Europa und setzt auf biologischen Anbau, nachwachsende Rohstoffe oder recycelte Materialien.  

3. Lanius

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LOVE FAHSION / THINK ORGANIC / BE RESPONSIBLE – lautet der Slogan der Kölner Brand. Lanius zeichnet sich durch ökologische Materialien, faire Arbeitsbedingungen und feminine Silhouetten aus. Die vegane Mode der Brand ist nach dem „PETA-Approved Vegan Logo“ für tierleidfreie Kleidung zertifiziert.

4. Armedangels

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Armedangels steht schon seit Jahren bei vielen Mode-Liebhabern ganz oben auf der Liste. Das Label gehört zu den größten Fair Fashion Brands in Deutschland. Ihr Ziel? Mode, die fair, bio und schön ist.  

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