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Ethische Bank – Wie nachhaltig legst du dein Geld an?

Ursula Stieler
Ursula Stieler, Online-Redakteurin
2. Juni 2020
Bei einer ethischen Bank legst du dein Geld im doppelten Sinne nachhaltig an. Bild: iStock

In vielen Teilen des Lebens beschäftigen wir uns fast schon selbstverständlich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Ob minimalistischer Lebensstil, Low-Waste-Mentalität oder regionales Lebensmittelshopping – doch das Thema nachhaltige oder ethische Bank ist bei vielen noch unbekannt.

Ethische Bank: Nachhaltiges Leben in allen Bereichen

Vieles, was zu einem nachhaltigen Leben beiträgt, hat mit Gewohnheiten zu tun. Zum Beispiel, einen Jutebeutel zum Einkaufen mitzunehmen, um die Plastiktüte für den Heimweg zu vermeiden. Kleiner Benefit: Wenn du dadurch jedes Mal ein paar Cent sparst, bleibt vielleicht am Ende des Monats etwas mehr auf deinem Konto über. Soweit so gut.

Aber was passiert eigentlich mit deinem Geld, während es auf deinem Konto auf seinen Einsatz wartet und sich ganz allmählich vermehrt? Für die meisten Menschen hört der Nachhaltigkeitsgedanke beim Thema Banking auf. Das Geld liegt sicher auf dem Konto und wird eines Tages ein Haus, eine Weltreise oder vielleicht eine Start-up-Gründung finanzieren – wo ist das Problem?

Genau hier: Dein Geld liegt nicht statisch auf der Bank wie in einem großen persönlichen Tresorraum, es befindet sich im Fluss. Banken nehmen das Geld von Sparer*innen an und verleihen es an Firmen oder Privatpersonen, die einen Kredit benötigen. Diese Kreditnehmer*innen zahlen Gebühren, die Sparer*innen profitieren davon. Durch diese Praxis vermehrt sich dein Geld also noch zusätzlich. Gut für deine Zukunft, aber schlecht, wenn das Geld in unethische Hände gelegt wird.

Problem: Woher weißt du das?

Banksysteme – Welche Bank lässt dich mitentscheiden?

Ein Blick auf die unterschiedlichen Bankensysteme gibt bereits ersten Aufschluss über den Verbleib deines Gelds. Ist deine Bank eine nachhaltige Bank? So findest du es heraus:

Gewissenskonflikt: die stille Beteiligung am Bankengeschäft

Nachhaltiges Banking geht uns alle an. Bild: iStock

Im Alltag stehen wir vor vielen ethischen und finanziellen Entscheidungen, wenn wir uns nachhaltig ernähren oder kleiden wollen. Für die meisten Gewissensfragen haben wir dabei klare Grundsätze entwickelt. Vielleicht würden wir niemals Echtpelzjacken tragen oder Eier aus Käfighaltung essen – aber trotzdem gibt es beides in großen Mengen zu kaufen. Und nun stell dir vor, dass das Geld, das du auf der Bank angespart hast, von Kreditnehmer*innen dazu verwendet wird, Echtpelz oder Eier aus Käfighaltung zu kaufen. Im übertragenen Sinne heißt das: dein Geld kann beispielsweise in kriegerische Waffengeschäfte oder Firmen, die Kinderarbeit betreiben, investiert werden. Ob es wirklich passiert, lässt sich im Detail nicht nachvollziehen, da die meisten Banken nicht nur einzelne Unternehmen finanzieren, sondern auch große Investment-Töpfe befüllen. In welche Geschäfte deine Bank verwickelt ist, kannst du in diesem Finanz-Guide herausfinden.  

Ethische Bank: Das kannst du tun

Wenn du deine Ersparnisse aus diesem Geldfluss entkoppeln und lieber gezielt nachhaltige Firmen und Projekte unterstützen möchtest, gibt es dafür eine relativ einfache Lösung: einen Wechsel zu einer ethischen Bank. Sogenannte nachhaltige Banken berücksichtigen soziale, ökologische oder ethische Standards bei ihren Investments. Häufig sind sie außerdem Genossenschaftsbanken, das heißt, dass alle Sparer*innen über die Investitionen mitbestimmen können, wenn sie sich einen Bankanteil sichern. In Deutschland gibt es zurzeit 14 Banken, die sich als nachhaltig bezeichnen lassen. Die besten Werte im Ethik-Ranking der Initiative „Geld bewegt“ erzielen diese fünf:

Damit eine Bank in diesem Ranking als nachhaltig bewertet wird, muss sie bestimmte Investment-Bereiche wie die Rüstungsindustrie oder Kinderarbeit von vornherein ausschließen und ihre Geldgeschäfte so transparent wie möglich machen. Details über die fünf größten ethischen Banken und weitere Alternativen kannst du dir bei diesen Banken-Portraits ansehen.

Kostenfaktor: Sind ethische Banken eine Preisfrage?

Die Zusatzkosten bei einer ethischen Bank sind vergleichbar mit anderen öffentlich-rechtlichen Banken. Bild: iStock

Ethische Banken können ihre Dienste nicht gratis anbieten, denn wie bei Bio-Lebensmitteln fallen auch bei nachhaltigem Banking zusätzliche Kosten an. Diese werden aber nicht durch riskante Geschäfte, sondern feste Kundenbeiträge und monatliche Kontoführungsgebühren gedeckt. Wir sprechen hier aber nicht von astronomischen Kosten, sondern Gebühren, die mit den meisten öffentlich-rechtlichen Banken und Genossenschaftsbanken durchaus vergleichbar sind. Viele ethische Banken sind ebenfalls genossenschaftlich organisiert und senken ihre Beiträge deutlich, sobald man Anteilseigner*in geworden ist oder erlassen Kreditkarten-Gebühren ab einem bestimmten Konto-Umsatz.

Du möchtest konkrete Zahlen? Hier kommst du zu einer Kostenübersicht der drei größten ethischen Banken.

Wenn du dich für ethische Banken interessierst, ist ein Girokonto tatsächlich nur der Anfang. Ebenso kannst du mit ethisch-ökologischen Sparanlagen dein Geld für sinnvolle Projekte anlegen oder in sogenannte grüne Fonds investieren. In jedem Fall wirst du dafür sorgen, dass dein Geld, während es auf einen besonderen Einsatz in deinem Leben wartet, nicht in unsaubere Geschäfte fließt. Ein deutlicher Beitrag, um die Welt von morgen ein kleines bisschen besser zu machen.

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