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Clever Reste verwerten in der Küche

10. April 2020

Schon mal das Wasser mit Bio-Limettenschale aromatisiert? Oder Karottengrün oder den Strunk vom Brokkoli gegessen? Nein? Dann wird es höchste Zeit, dass du es mal ausprobierst. Reste verwerten lohnt sich, denn viele vermeintliche Essensreste kannst du ganz einfach für neue kreative Gerichte verwenden, die ganz nebenbei auch richtig gesund sind. Denn wer bewusst und nachhaltig konsumiert und so wenig Reste wie möglich fabriziert, tut auch etwas für die Umwelt.

Mit dem Verwerten von Lebensmittelresten kann jeder einen kleinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten.

Lebensmittelverschwendung

In Deutschland landen Jahr für Jahr rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Jedes Jahr schmeißen Verbraucherinnen und Verbraucher pro Kopf ca. 75 Kilogramm Lebensmittel weg – und das obwohl sie in den meisten Fällen noch genießbar sind. Zwei Drittel der Abfälle, also ca. 50 Kilogramm, wären laut der Verbraucherzentrale vermeidbar. Leider ist die Wertschätzung für Lebensmittel bei uns heutzutage nicht mehr sehr groß – denn alle Lebensmittel sind ständig und zu einem niedrigen Preis verfügbar. Lagen die Abgaben für Nahrungs- und Genussmittel 1950 noch bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens, liegen sie heute nur noch bei 10 Prozent!

Es gibt vier Gründe für die vermeidbare Lebensmittelverschwendung:

Reste verwerten: Lebensmittelverschwendung in Deutschland
Gründe für Lebensmittelverschwendung in Deutschland nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung von 2017

Dieser verschwenderische Umgang hat negative Auswirkungen auf unsere Ressourcen wie Ackerböden und Wasser. Denn Lebensmittel zu produzieren, zu verarbeiten und auch zu transportieren belastet die Umwelt. Bei dem Transport, der Verpackung und der Zubereitung der Nahrungsmittel werden tonnenweise Treibhausgase freigesetzt – und werden die Lebensmittel nie gegessen, passiert dies ganz umsonst. Dabei kann jeder im Alltag ein paar einfache Tipps beherzigen und so dazu beitragen, dass weniger Nahrungsmittel verschwendet werden. Mit etwas Planung können Reste vermieden werden und mit Kreativität und Fantasie kann vieles ganz einfach in tolle Gerichte umgewandelt werden. Es also gar nicht so schwer Food Waste zu vermeiden.

Einkaufen und Kochen mit Köpfchen

Reste vermeiden kannst du schon sehr gut, indem du deinen Wochenbedarf bzw. den täglichen Einkauf sorgfältig planst. Dies gilt insbesondere bei Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch oder Milchprodukten, da sie schnell verderben können. Erstelle vor dem Einkaufen immer einen Speiseplan für die Woche und überlege, wieviel du von welchen Lebensmitteln benötigst. Kontrolliere außerdem vorher deinen Kühlschrank: Was fehlt, was ist bald aufgebraucht? Womit können eventuelle Reste noch ergänzt werden? Es lohnt sich auch, das Essen gemeinsam mit der Familie zu planen, denn so können nicht nur Wünsche, sondern auch eventuelle Abwesenheiten mit eingeplant werden. Im Supermarkt solltest du dich außerdem nicht von Aktionen und Angeboten verführen lassen, also am besten immer satt einkaufen gehen.

Die Haltbarkeit mit den Sinnen checken

Die wenigsten Lebensmittel die laut Etikett abgelaufen sind, sind auch wirklich schlecht. Das sogenannte MHD, also das Mindesthaltbarkeitsdatum, ist nur eine Orientierung und gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem ein Lebensmittel mindestens qualitativ einwandfrei ist. Vor allem bei trockenen Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Konserven, getrocknete Hülsenfrüchte, Zucker, Mehl oder Salz kannst du diese Regel getrost ignorieren. Auch bei Milchprodukten oder Brot lohnt es sich immer mit der Nase oder mit den Augen zu testen, ob sie wirklich nicht mehr genießbar sind. Farbe, Konsistenz und natürlich der Geruch des Produkts verraten dir, ob du das Produkt noch bedenkenlos konsumieren kannst. Dieser Test gilt natürlich auch für selbstgekochte Reste, die schon eine Weile im Kühlschrank stehen.

Reste verwerten: Mindeshaltbarkeitsdatum
Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, hilft die Geruchsprobe um festzustellen, ob Lebensmittel noch verwendbar sind.

Zu gut für die Tonne

Oft sind es die kleinen Reste beim Kochen, die weggeschmissen werden. Bleiben nur drei, vier Löffel Reis, eine Handvoll Nudeln oder zwei Kartoffeln übrig, ist dies meist zu wenig für die nächste Mahlzeit. Daher solltest Du entweder darauf achten nicht zu viel zu kochen oder gleich bewusst mehr, so dass du vielleicht am nächsten Tag noch davon essen oder die Reste in die nächste Mahlzeit integrieren kannst. Besonders bei Suppen, Eintöpfen oder Saucen funktioniert es sehr gut Vorräte zu kochen und portionsweise einzufrieren. Das ist perfekt für Tage, an denen du mal keine Zeit hast frisch zu kochen. Um Reste zu verwerten, kannst du dir auch im Restaurant immer alles einpacken lassen was du nicht geschafft hast. So kannst du dich abends oder am nächsten Tag noch an dem leckeren Essen erfreuen.

Diese Lebensmittel werden in deutschen Haushalten am häufigsten weggeworfen:

Übersicht der weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland laut einer Studie der GfK von 2017

Allgemeine Tipps für die Reste-Küche

Beim Thema Reste verwerten geht es aber nicht nur um die offensichtlichen Reste, die beim Mittagessen übrig oder im Kühlschrank liegen bleiben. Bei den meisten Rezepten werden Schalen, Blätter oder das Grün entfernt, mit dem Ergebnis, dass sie im Müll landen. Dabei stecken oft im Grün oder in der Schale besonders viele Vitamine und Nährstoffe, die Du keinesfalls verschwenden solltest. Aus den vermeintlichen Resten kannst du prima kreative Gerichte zaubern. So konsumierst du nicht nur viel bewusster, sondern auch nachhaltiger.

Kreative Ideen für die Resteverwertung

Reste verwerten ist nicht schwierig, denn z.B. überreife Tomaten müssen nicht weggeschmissen werden! Werden sie mit kochendem Wasser übergossen, kann die Haut abgezogen und die Schale entfernt werden und die Tomaten können zu aromatischen Suppen oder Tomatensaucen verarbeitet werden. Auch überreifes Obst muss noch lange nicht entsorgt werden. Es macht sich prima als Kompott, Püree oder in Smoothies. Achte bei der Verwertung aber darauf, dass die Früchte nicht schon verfault oder verschimmelt sind!

Zitronen-, Limetten-, oder Orangenschalen – natürlich nur die Bio-Varianten! – kannst du prima zum Aromatisieren von Wasser nutzen. Der Abrieb der Bio-Früchte macht sich auch gut als natürliches Aroma in Backwaren oder Gerichten, kann aber auch problemlos eingefroren und später nach Bedarf verwendet werden. Auch Apfelschalen eignen sich gut zum Aromatisieren – von Punsch oder Fliederbeersuppe – oder Du machst daraus leckere Apfelschalenchips. Besonders spannend: Die Kerne der Papaya enthalten Papain, ein immunstärkendes Enzym, das dem Körper hilft Eiweiß zu verdauen und Fett zu verbrennen. Es lohnt sich also die Kerne zu waschen, zu trocknen und wie Pfefferkörner zu mahlen.

Vieles was oft weggeschmissen wird, kann auch problemlos mitgegessen werden: Äpfel, Gurken oder Karotten müssen nicht unbedingt geschält werden, es reicht wenn du sie gut abwäschst. Beim Brokkoli schmecken nicht nur die Röschen, auch die Stängel, den Strunk (den am besten vorher noch Schälen) und die Blätter kannst du einfach mit kleinschneiden und dünsten. Die Stiele der Pilze können ebenfalls ins Essen gegeben werden und der Strunk des Fenchels hat ein superleckeres, intensives Aroma, das zarte Grün könnt ihr ebenfalls verwenden.

Esst mehr Blätter!

Karottengrün schmeckt nicht nur Kaninchen, es lässt sich ähnlich wie Petersilie zum Würzen von Suppen oder Salaten verwenden. Auch als gesunde Zutat im Smoothie – es enthält viel Kalzium und ist wunderbar mild im Geschmack – funktioniert es hervorragend. Mit Olivenöl, Pinienkernen, Knoblauch und Parmesan wird daraus sogar ein leckeres Pesto. Radieschen-Blätter enthalten antibakterielle Senföle und viele Vitamine und erinnern im Geschmack an Rucola. Sie können gehackt prima für Salate, Suppen, Pesto oder Dips genutzt werden. In den Blättern des Kohlrabis stecken fast doppelt so viele Vitamine wie in der Knolle selber! Sie können wie Blattspinat gedünstet werden und eignen sich gut als Gewürz in Salaten oder Suppen. Es gibt allerdings auch Gemüsesorten bei denen die Blätter nicht genießbar sind, wie beim Rhabarber. Seine Blätter enthalten viel Oxalsäure, die Vergiftungserscheinungen auslösen kann und die Aufnahme von Calcium aus dem Essen behindert.

Auch das Grün von Karotten, Radieschen und Roter Bete kann in der Küche verwendet werden und muss nicht entsorgt werden
Auch das Grün von Karotten, Radieschen und Roter Bete kann in der Küche verwendet werden und muss nicht entsorgt werden

Der Restetag

Wer Probleme hat, beim Wocheneinkauf die richtigen Mengen abzuschätzen, kann einfach immer einen Tag als Restetag einplanen. Aus Gemüseresten kann man zum Beispiel prima eine leckere Gemüsebrühe kochen, gekochtes Gemüse kann auch wunderbar in eine leckere Sugo für Pasta integriert werden. Aus Reis vom Vortag, angeschnittener Paprika und dem Rest Tomatenmark entsteht schnell eine schmackhafte Reispfanne. Aus Kartoffeln kann man zum Beispiel Kartoffelsalat oder Bauernfrühstück zaubern. Pastareste, Fleisch oder Gemüse machen sich am nächsten Tag auch noch prima im Salat. Tolle Rezepte zum Reste verwerten gibt es unter anderem auf Wunderweib.

Wohin mit den Resten?

Bleiben beim Kochen doch Reste übrig, bewahrst du sie am besten in verschließbaren Gläsern oder Metalldosen auf. Im Kühlschrank halten sich die Essensreste noch ein paar Tage und können einfach wieder aufgewärmt oder zu leckeren Gerichten weiterverarbeitet werden. Hast du zu viel gekocht, kannst du auch einfach mal Freunde oder Nachbarn fragen, ob sie sich nicht über ein leckeres Mahl freuen. Es gibt sogar öffentliche Gruppen, sogenanntes Foodsharing, die sich dem Thema Lebensmittelverschwendung widmen.

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