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Vegane Kosmetik: Make-up und Pflege ohne Tierausbeutung

Steph
Stefanie Behrens, Freie Autorin
7. April 2020

Wenn du vegan lebst, dann steht der Schutz von Tieren für dich im Mittelpunkt. Die Produkte deines Lebens, von den Nahrungsmitteln bis zur Kleidung, sollen konsequent ohne tierische Bestandteile produziert worden sein. Natürlich möchtest du dich auch vegan pflegen: Deine vegane Kosmetik soll weder etwas vom lebenden, noch vom toten Tier enthalten und nicht an Tieren getestet worden sein.

Vegane Kosmetik

Diese ethische Herangehensweise soll einerseits für die dekorative Kosmetik wie Make-up, Nagellack und Lippenstift sowie auch für die pflegende Kosmetik gelten. Das sind Cremes, Lotionen, Anti-Aging-Produkte, Sonnenschutzmittel, Shampoo, Haarfarbe, Haarentfernungsmittel, Mundhygienemittel, Parfüm und Deo – eigentlich alles, was gerade noch so in unsere Badezimmer reinpasst. Diese Flut von Produkten, die uns von Kopf bis Fuß unter die Haut gehen, soll zum veganen Lifestyle passen. Einem Lebensstil, der die Ausbeutung von Tieren ablehnt.

Das sollte vegane Kosmetik garantieren:

Tierisches in Kosmetik erkennen

Konsequent veganes Leben erfordert allerdings fast schon detektivischen Spürsinn. Wieso? Vegane Kosmetik ist nicht zwingend Naturkosmetik und konventionelle Kosmetik kann durchaus vegan sein, wenn sie keinerlei tierische Inhaltsstoffe enthält und tierversuchsfrei ist. Doch erst wenn man sich intensiver mit den Inhaltsstoffen der Beauty-Produkte beschäftigt, wird klar, wie viele Rohstoffe in den Rezepturen bekannter Kosmetikhersteller noch tierischen Ursprungs sind. Tierische Öle aus der Massentierhaltung wie Fett, Talg und Schmalz landen in Seifen und Shampoos, Keratin aus Hörnern oder Hufen in Haarpflegeprodukten und Drüsensekrete in Parfüms. Es gibt viele tierische Komponenten in nicht-veganer Kosmetik, die in der INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients)-Liste nicht als solche erkennbar sind. So kann zum Beispiel Glycerin tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein. Der Tierschutzverein PETA Deutschland e.V. hat deshalb eine Liste der gängigen tierischen Inhaltsstoffe und ihrer Alternativen.

Vegane Alternativen für tierische Kosmetikstoffe

So wird beispielsweise der tierische Inhaltsstoff Keratin häufig für Haarspülungen, Shampoos oder Dauerwellenkonzentrate eingesetzt. Keratin ist das Protein aus zermahlenen Hörnern, Hufen, Federn, Federkielen und Haaren von verschiedenen Tieren. Als vegane Alternativen gelten Mandelöl, Sojaprotein, Amla-Öl, Rosmarin und Brennnessel als Frischpflanzensaft. Ein weiteres Beispiel für einen Inhaltsstoff tierischer Herkunft ist eine wachsige Substanz im Nervengewebe aller lebenden Organismen, die als Lecithin, Lezithin oder Choline Bitartrate in der INCI-Liste auftaucht.Häufig wird der Rohstoff laut der Tierschutzorganisation Peta aus Eiern gewonnen, aber auch aus Nervengewebe, Blut und Milch. Verwendet wird die Substanz für Augencremes, Lippenstifte, Flüssigpuder, Handcremes, Lotionen, Seifen und Shampoos. Als vegane Alternativen können pflanzliches Lecithin aus Sojabohnen oder Mais oder die synthetische Erzeugung dienen.

Vegane Kosmetik (iStock)

Ist vegane Kosmetik nicht eigentlich Naturkosmetik?

Vegane Kosmetik zu finden ist nicht einfach. Am meisten Sicherheit hast du, wenn du deine Kosmetik selbst herstellst. Wer dafür keine Zeit hat, denkt vielleicht an den Kauf von Naturkosmetik, mit der vegane Kosmetik häufig assoziiert wird – das ist jedoch ein Trugschluss. In der Naturkosmetik werden neben dem Hauptbestandteil der Pflanzenstoffe auch hautpflegende, tierische Hilfsstoffe von lebenden Tieren wie das Wollfett von Schafen, Milch von Kühen oder Honig oder Wachs von Bienen verarbeitet. Zertifizierte Naturkosmetik ist aber zumindest vegetarisch, da sie keine Inhaltsstoffe vom toten Tier (wie Därme, Sehnen oder Horn) verarbeitet. Wenn du auf beide Bereiche Wert legst, dann wähle am besten zertifizierte, vegane Naturkosmetik. Diese enthält weder etwas vom lebenden, noch vom toten Tier.

Im Beauty-Regal verschleiern Marketing-Begriffe die Inhalte

Beide Begriffe, also “vegan” und “Naturkosmetik”, sind leider EU-weit nicht einheitlich und rechtsverbindlich definiert. Bei der Auswahl deiner Produkte können dir jedoch anerkannte Gütesiegel Sicherheit geben. Die Produkthersteller müssen viele Qualitätskontrollen durchlaufen, um ein renommiertes Siegel als Ausdruck für Zertifizierungen ihrer Produkte und ihres Produktionsprozesses zu erhalten. “The Vegan Society” aus England gilt als eine der ältesten und angesehensten veganen Gesellschaften, die für jeden Roh- und Hilfsstoff ein Zertifikat des Lieferanten für die Prüfung fordert. Sie vergibt das Gütesiegel “Veganblume”, was garantiert, dass Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs – und seien die Mengen auch noch so gering – ausgeschlossen sind. Für den Kauf veganer Kosmetik macht es unbedingt Sinn, auf renommierte Gütesiegel wie die Veganblume, das Natrue– , Cosmos Organic– , BDIH– und Ecocert– Siegel für Naturkosmetik sowie das Siegel Leaping Bunny von Cruelty Free International und die schützende Hand über dem Kaninchen vom Deutschen Tierschutzbund e.V. zu achten.

Leider drucken immer mehr Firmen selbst ausgelobte Siegel auf ihre Produkte, was zu einer regelrechten Siegelflut geführt hat. In diesen Fällen ist aber eher ein Blick auf die Zutatenliste sinnvoll. Allerdings gibt es auch Produkte ohne Siegel, die vegan sind. Kleinere Labels müssen aus Kostengründen teilweise auf die Zertifizierung verzichten, auch wenn sie strikt vegan produziert haben. Ganz schön kompliziert. Aber vegane Produkte sind doch in jedem Falle eine gute Sache, oder?

Schön vegan! Aber auch fair, ökologisch und Ressourcenschonend?

Tolles Make-up ohne Bestandteile vom lebenden oder toten Tier findest du von Marken wie Nui Cosmetics, Und Gretel, Urban Decay, Santé, E.l.f. Cosmetics, Too Faced, Benecos und vielen weiteren Labels – entweder natürlich oder synthetisch hergestellt. Auch hübschen, veganen Nagellack gibt es inzwischen (OZN, Nailberry, Lolalabs). Grundsätzlich kannst du bei zertifizierter, veganer Naturkosmetik von einer hohen Qualität für Hautpflege ausgehen (z.B. von Bio Végane, Annemarie Börlind, i+m Naturkosmetik, Grown Alchemist). Zertifizierte, medizinische Hautpflege garantiert ebenfalls einen hohen Standard (z.B. Siriderma Medizinische Hautpflege, Dado Sens Dermacosmetics). Ohne Siegel wird es schwierig mit den Begrifflichkeiten: So kann vegane Kosmetik auch Mikroplastik enthalten, welches über den Wasserkreislauf in die Meere gelangt und dort den Fischbestand gefährdet. Vegane Kosmetik kann außerdem pflanzliches Palmöl oder Palmölderivate enthalten, für deren Herstellung immer noch Brandrodungen für den Anbau von Ölpalmen stattfinden, und dadurch Tiere sterben.

Darum heißt es, Marken zu finden, die mit ihrer vegan-Ausrichtung auch weitere hohe qualitative Ansprüche an ihre Produkte verknüpfen: Nämlich Fairness, Ökologie, Wagemut für Neues, Ressourcenschutz und Tierschutz. Wer sich ganzheitlich für eine vegane Lebensweise interessiert, findet auf veganstart.de Tipps und Tricks.

Auf den Punkt: Vegane Kosmetik ohne Tierausbeutung

Immer mehr Menschen suchen Pflegeprodukte und Make-up ohne tierische Anteile und Tierversuche als Statement für ein sinnvolles Leben. Der Wunsch nach mehr Information und Selbstbestimmung wächst stetig. Darauf reagieren nicht nur kleine Labels, sondern  sogar Drogerieketten und Kosmetikkonzerne mit mehr veganen Angeboten – zumindest für einige ihrer Produkte oder Produktlinien. Es ist nicht immer einfach, rein vegane Kosmetik zu entdecken. Renommierte Siegel helfen dir dabei. Zu veganer Kosmetik zählen Make-up sowie Pflege- und Reinigungsprodukte, die zu 100 Prozent frei von tierischen Bestandteilen sind und nicht an Tieren getestet wurden. Die Pflege unserer Haut soll schließlich ein sinnliches Vergnügen sein – ganz ohne Schuldgefühle.

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